Schlafstörungen, Entzündungen und Depression.
Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Depression. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten einzuschlafen, schlafen unruhig oder wachen nachts immer wieder auf. Gleichzeitig zeigen Studien, dass bei manchen Menschen mit Depression auch bestimmte Entzündungswerte im Blut erhöht sein können.
Eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung hat nun untersucht, ob zwischen beiden Faktoren ein Zusammenhang besteht.
Was wurde untersucht?
Ein internationales Forschungsteam wertete die Ergebnisse von insgesamt 21 Studien aus. Für die eigentliche Metaanalyse konnten 13 Studien mit mehr als 5.200 Erwachsenen berücksichtigt werden. Untersucht wurde, ob Schlafstörungen mit Entzündungsmarkern im Blut zusammenhängen – bei Menschen mit einer Depression oder einer bipolaren Störung.
Die Ergebnisse
Die Analyse zeigte einen statistischen Zusammenhang zwischen subjektiv wahrgenommenen Schlafstörungen und bestimmten Entzündungsprozessen bei Menschen mit einer unipolaren Depression.
Besonders auffällig war dabei das C-reaktive Protein (CRP), ein bekannter Marker für Entzündungen im Körper. Bei anderen Entzündungsmarkern wie Interleukinen oder TNF-α konnte dagegen kein eindeutiger Zusammenhang nachgewiesen werden.
Auch Faktoren wie Geschlecht oder Body-Mass-Index (BMI) beeinflussten die Ergebnisse nicht wesentlich.
Was bedeutet das?
Die Studie legt nahe, dass Schlaf und Immunsystem möglicherweise gemeinsam an den biologischen Prozessen einer Depression beteiligt sind. Das könnte erklären, warum Schlafstörungen bei vielen Betroffenen eine so große Rolle spielen.
Wichtig ist jedoch: Die Untersuchung zeigt keinen Beweis für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Sie kann also nicht beantworten, ob Schlafstörungen Entzündungen fördern, Entzündungen den Schlaf beeinflussen oder beide durch andere Faktoren miteinander verbunden sind.
Warum ist das wichtig?
Sollten zukünftige Studien diese Ergebnisse bestätigen, könnten Schlaf und Immunsystem künftig noch stärker in die Behandlung von Depressionen einbezogen werden. Bis dahin bleibt jedoch weiterer Forschungsbedarf.
Fazit
Ein erholsamer Schlaf ist für die körperliche und seelische Gesundheit von großer Bedeutung. Die aktuelle Metaanalyse liefert weitere Hinweise darauf, dass Schlafqualität und bestimmte Entzündungsprozesse bei Depressionen miteinander zusammenhängen könnten. Da die Studienergebnisse jedoch unterschiedlich ausfielen, sind weitere Untersuchungen notwendig, bevor daraus konkrete Therapieempfehlungen abgeleitet werden können.
Quelle: Fiori V, Lombardo C, Ballesio A. Association between sleep disturbances and circulating inflammatory markers in depressive and bipolar disorders: a systematic review and meta-analysis. Sleep Medicine. 2026.