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Depression mit Begleiterkrankungen

Depression ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Varianten, die ganz unterschiedlich auf Behandlungen ansprechen oder mit verschiedenen Begleiterkrankungen verbunden sein können. Zunehmend wird bei Personen mit einer depressiven Störung ein möglicher Zusammenhang mit dem Fettstoffwechsel diskutiert und untersucht. Besser bekannt ist bereits ein Zusammenhang zwischen Depression und einer gestörten Schilddrüsenfunktion, die sich in Laborwerten in einem erhöhten TSH-Wert (Thyroid-stimulierendes Hormon) zeigt. Die Schilddrüsenfunktion ist eng mit dem Fettstoffwechsel verknüpft – die Verbindung zwischen Fettstoffwechsel und Depression könnte also womöglich durch eine Unterfunktion der Schilddrüse zustande kommen.

Die Studie

In die Studie wurden 1251 ambulante Patienten zwischen 18 und 44 Jahren mit erster depressiver Episode ohne medikamentöse Therapie aufgenommen. Neben demographischen Daten wurden Körpermaße (body mass index, BMI), Lipid-Spiegel und Schilddrüsenfunktions-Werte gemessen.
Das Hormon TSH regt die Schilddrüse zu einer stärkeren Produktion der Schilddrüsenhormone (deren Spiegel mit FT3 und FT4 gemessen wird) an. Ist der TSH-Wert erhöht, deutet dies auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin. Können zusätzlich Antikörper gegen die Schilddrüse (TG-Ab und TPO-Ab) detektiert werden, ist dies ein Hinweis auf autoimmune Entzündungsprozesse der Schilddrüse, also eine Autoimmun-Thyreoiditis. Zusätzlich zu den Stoffwechsel-Werten ermittelte die Studie den Schweregrad der Depression (Hamilton Rating Scale for Depression, HAMD), Angstsymptome (Hamilton Anxiety Rating Scale, HAMA) und die positive Subskala der PANSS-Befragung (Positive and Negative Syndrome Scale, PANSS).Analyse von Schilddrüse und Cholesterinwerten bei 1 251 Personen mit Depression Auffälligkeiten des Fettstoffwechsels wurden bei 74,58 % der Patienten gefunden. Im Vergleich zu depressiven Patienten ohne begleitende Auffälligkeiten des Lipidmetabolismus fielen die Patienten, die zusätzlich zu ihrer ersten depressiven Episode auch Störungen des Fettstoffwechsels aufwiesen, durch mehrere Aspekte auf:
·       Höherer BMI
·       Stärkere Depression (höherer HAMD-Wert)
·       Stärkere Ängste (HAMA-Wert)
·       Höherer PANSS-Wert (positive Unterskala)
·       Erhöhte TSH-Werte
·       Erhöhte TG-Ab-Werte
·       Erhöhte TPO-Ab-Werte

Der TSH-Spiegel stellte dabei einen unabhängigen Risikofaktor für einen abnormalen Fettstoffwechsel bei depressiven Patienten dar. Sowohl der Gesamtcholesterin-Spiegel als auch der LDL-Cholesterin-Spiegel korrelierten positiv mit dem TSH-Level, dem Schweregrad der Depression (HAMD) und dem Wert der positiven Unterskala des PANSS.

Fazit: Je stärker die Depression ausgeprägt war, desto höher war in dieser Patientengruppe also der Cholesterin-Spiegel und der TSH-Wert. Die HDL-Cholesterin-Werte waren hingegen niedriger bei höherem TSH-Wert. Auch die Triglycerid-Spiegel korrelierten positiv mit dem TSH und dem HAMD-Score sowie den Antikörpern gegen die Schilddrüse.

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bei Patienten mit einer ersten depressiven Episode und Auffälligkeiten des Lipid-Stoffwechsels die Schilddrüsenparameter, speziell die TSH-Werte, untersucht werden sollten. Bei etwa jedem 4. Patienten kann demnach eine Autoimmun-Thyreoiditis vorliegen, die zentral behandelt werden muss, um die Depression therapieren zu können.
 

Autor:
Hu J, Ji Y, Lang X, Zhang XY. Association of thyroid function with abnormal lipid metabolism in young patients with first-episode and drug naïve major depressive disorder. Front Psychiatry. 2023 Feb 14;14:1085105. doi: 10.3389/fpsyt.2023.1085105. PMID: 36865071; PMCID: PMC9971224.
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